Der armselige Beginn

Eines Tages, etwa im Herbst 1980, wollte ein eigentlich von der Kunst unbeleckter Typ, der
zwar als Kaufmann und Steuerberater recht erfolgreich war, seiner Lebensgefährtin auf der
Verkaufs-Ausstellung in der Kunsthalle München ein Bild kaufen, und zwar einen Eduard
Schleich d. Ä., um ihre Sammlung der Münchner Schule zu vervollständigen.

Auf seine Frage an den Kunsthändler, ob das Bild auch echt sei, antwortete dieser:
„Wichmann hat es gesehen“. Darauf kam die prompte Gegenfrage: „Wer oder was ist
„Wischmann“ und was heißt hier: hat es gesehen“? Die Antwort des Kunsthändlers: „Prof.
Wichmann ist der Kunstpapst des 19. Jh. Er äußert seine Meinung, gibt aber nie eine
schriftliche Bestätigung“.

Da das in Aussicht genommene Bild immerhin einen Wert von DM 50.000.- hatte, blieb
nichts anderes übrig, als Herrn Prof. Dr. Siegfried Wichmann in Starnberg persönlich
aufzusuchen und diese Bestätigung einzuholen. Nach mehreren vergeblichen Telefonaten war
es dann soweit, dass Manfred Bumiller, und das war der obige Typ, dort mit dem Schleich
unterm Arm von Herrn Prof. Wichmann empfangen und dort als Person äußerst vorsichtig
beäugt worden ist. Natürlich war der Schleich „echt“ und befindet sich noch heute im
Familienbesitz.

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